Neue Wege der Gemeindearbeit
Schon fast zwei Jahre ist es her, dass Heidi Wöhlbrand als Seelsorgerin der Kirchengemeinde Garlstorf verabschiedet wurde. Ihre Stelle wurde nicht wieder besetzt. Garlstorf, so der Plan, sollte von Bleckede und Barskamp mit versorgt werden. Schon nach kurzer Zeit wurde deutlich: es funktioniert nicht.
Jetzt haben die Kirchengemeinden Veränderungen beschlossen:
Geplant war 2009, Pastor Giesel aus der Kirchengemeinde Barskamp solle erster Ansprechpartner für Garlstorf sein, Pastor Müller und Superintendent Cordes ebenso unterstützend wirken, wie Frau Heine als Pastorin im Ehrenamt. So stehen unter „Pfarramt“ im Gemeindebrief der Kirchengemeinde Garlstorf vier Ansprechpartner. Diese unklare Zuordnung von Aufgaben bedeutet letztlich mehr Aufwand, weil sie einen enormen Abstimmungsbedarf nach sich zieht. Vor allem wissen viele Garlstorfer Gemeindemitglieder nicht mehr, woran sie sind.
Außerdem kann diese Personalkürzung um ca. ein Drittel nicht ohne Weiteres von den Pastoren durch Mehrarbeit aufgefangen werden. Mit dem Amtsantritt von Superintendent Cordes stellte sich auch heraus, dass die Leitungsaufgaben des Kirchenkreises, die Begleitung der Fusion der Kirchenkreise Bleckede und Lüneburg und eine ganze Reihe von anstehenden Veränderungsprozessen in den Regionen des Kirchenkreises mehr als 50 % der Arbeitskraft beanspruchen. Die Gremien des Kirchenkreises beschlossen, Superintendent Cordes soll zu 75 % die Leitungsfunktion und nur noch zu 25 % die pfarramtliche Aufgabe in Bleckede wahrnehmen. So wurden aus vormals 3½ in den Pfarrämtern der Region tätigen Menschen (Wöhlbrand, Müller, Giesel, 50% Superintendent) plötzlich 2 ¼.
Gemeinsam auf dem Weg
Ein neuer Weg für die Gestaltung der kirchlichen Arbeit in den drei Gemeinden der Stadt Bleckede muss also gefunden werden.
Dazu trafen sich im Juni Vertreter der Kirchenvorstände mit einem Moderatoren-Team von der Gemeindeberatung der Hannoverschen Landeskirche, um nach Lösungen zu suchen.
Drängende Fragen waren dabei:
- Die Kirchengemeinde Radegast-Garlstorf braucht EINEN Ansprechpastor. Das bedeutet, dass klar ist, welcher der Seelsorger der Region für sie zuständig ist.
- Die Zuständigkeit der Pastoren muss klar und nachvollziehbar sein. „Eine Straße, ein Pfarrbezirk“ soll die Devise sein. Die räumliche Nähe von Pastor und Pfarrbezirk beachtet werden.
Die drei Kirchengemeinden der Stadt Bleckede sollen zusammenwachsen, ohne dass sie ihre Identität verlieren. Alle sitzen in einem Boot, und den Kirchenvorständen ist bewusst, dass das Bild des Apostels Paulus auch für uns gelten muss: Wenn ein Glied leidet, leiden alle mit, wenn ein Glied sich freut, freuen sich alle mit.
Bei der Klausurtagung der Kirchenvorstände wurde auch deutlich, wie groß und wie unterschiedlich geprägt die drei Kirchengemeinden sind.
- Wir zählen zusammen 5.658 Gemeindeglieder
- Insgesamt beträgt die Fläche 135 Quadratkilometer.
- Von Wendewisch bis Reeßeln oder Tosterglope sind es etwa 30 Straßenkilometer
- Wir haben in den drei Gemeinden zum Beispiel
- 5 Friedhöfe
- 5 Kirchen
- 5 Seniorenheime
Die Elbdörfer sind anders geprägt, als die Stadt Bleckede oder die Orte der Kirchengemeinde Barskamp. Bleckede ist das Zentrum der Region. Fast jeder in dieser großen Region hat mehr oder weniger in Bleckede zu erledigen und kommt hierher. Kirche hat aber auch den Anspruch, nah bei den Menschen zu sein und so viele Gemeindefunktionen wie möglich in den Dörfern zu belassen. Trotzdem wird sich manche Veränderung nicht vermeiden lassen.
Die Entwicklung der Zusammenarbeit der drei Kirchengemeinden wird ein längerer Weg sein. Erste Schritte müssen aber schon jetzt gegangen werden, weil das Ehepaar Giesel Barskamp verlässt. Die Stelle soll den neuen Anforderungen entsprechend ausgeschrieben werden.
Die Kirchenvorstände haben folgendes beschlossen:
Änderung der pastoralen Zuständigkeit
- Der gesamte Bereich der Gemeinden Barskamp, Bleckede und Garlstorf muss von 2 ¼ Pastoren versorgt werden.
- Die Gemeinde Garlstorf soll zukünftig von Bleckede statt von Barskamp aus betreut werden.
- Das Barskamper Pfarramt übernimmt östlich gelegene Gebiete der Kirchengemeinde Bleckede.
- Der Bereich des Pfarramtes I muss verkleinert werden.
Konkret bedeutet das:
- Pastor Müller ist Pastor für seinen bisherigen Pfarrbezirk, gibt aber Breetze, Nindorf und Alt Wendischthun ab. Er übernimmt zukünftig die Dörfer des Pfarrbezirks I (Bleckeder Moor, Karze, Garze, Vogelsang, Rosenthal) und die Gemeinde Garlstorf.
- Superintendent Cordes ist für die in Bleckede gelegenen Straßen des Pfarrbezirks I zuständig, also den Bereich westlich der Lüneburger Straße.
- Das Barskamper Pfarramt übernimmt die pastorale Betreuung der Orte Breetze, Nindorf und Alt Wendischthun und die Kirchengemeinde Barskamp.
Das sind gravierende Veränderungen. Sie sind Ergebnis intensiver Überlegungen und des Abwägens von Alternativen. Insbesondere diejenigen, die in Zukunft einen anderen Pastoren als Ansprechpartner haben, werden sich daran gewöhnen müssen.
Was sich nicht ändert, sind die Gemeindegrenzen. Breetze, Nindorf und Alt Wendischthun bleiben Teil der Kirchengemeinde Bleckede. Der Konfirmandenunterricht wird in Bleckede stattfinden. Sie wenden sich weiter an die Büros in Bleckede. Sie gehen weiter in die Bleckeder Kirche, in der zukünftig auch der Barskamper Pastor (oder Pastorin) Gottesdienste halten wird. Die Bleckeder Pastoren werden auch in Garlstorf, Radegast, Alt Garge und Barskamp predigen.
Warum bleibt nicht alles beim Alten?
Warum besetzt die Landeskirche nicht einfach wieder die Pfarrstelle in Garlstorf und alles bleibt beim Alten?
Von 2000 bis 2010 ist die Zahl der Gemeindeglieder um fast 10 % zurück gegangen. Übrigens überwiegend nicht durch Austritte, sondern den Rückgang der Bevölkerung.
Schon vorher trugen andere Gemeinden die bessere Versorgung der Kirchengemeinde Garlstorf mit. Da der Kirchenkreis Bleckede insgesamt Personal streichen musste, geht das seit 2009 nicht mehr.
Warum muss der Superintendent sich in Zeiten, wo gespart wird, noch mehr um Leitungsaufgaben kümmern, statt um die Gemeindearbeit?
Das Streichen von Stellen zwingt inzwischen zu erheblichen Strukturveränderungen. Diese müssen kompetent gesteuert, vorangetrieben und Betroffene begleitet werden.
In der Kirche soll nicht sein, dass sich bei Veränderungsprozessen immer die Stärkeren durchsetzen. Die Diskussionen müssen moderiert, möglichst alle Gesichtspunkte benannt werden. Entscheidungen müssen dann auch persönlich vertreten werden.
Bitte tragen Sie diese Veränderungen mit.
Wir möchten dieses Thema vertiefen und Ihnen bei einer Gemeindeversammlung Gelegenheit zu Fragen und Anmerkungen geben:
- Sonntag den 25. September um 11:15 Uhr in der Kirche
Der Kirchenvorstand wird Rede und Antwort stehen.