Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Marien Scharnebeck

Am 19. Januar 1253 zogen Zisterziensermönche von Steinbeck kommend nach Scharnebeck und gründeten hier ein Kloster. Leider sind heute nur noch wenige bauliche Reste aus dieser Zeit vorhanden.
Das ehemalige Klostergelände ist noch gut durch die erhaltene Westwand des ehemaligen Kreuzganges zu erkennen. Mit seinen fünf breiten, spitzbogigen Arkaden am ehemaligen Pferdestall der Domäne gibt er uns einen guten Eindruck von den Ausmaßen des Klosters.
Das Kloster selbst erlebte schon in der Zeit vor der Reformation seinen Niedergang und verlor an politischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Mit dem Landtag zu Scharnebeck am 18. April 1527 begann die Förderung des reformatorischen Gedankengutes im Fürstentum Lüneburg durch Herzog Ernst den Bekenner.
Am 12. Juli 1529 übertrug dann der Abt Heinrich Radbruch dem Landesherrn die Verwaltung der Klostergüter. Zur endgültigen Auflösung des Klosters kam es am 23. Oktober 1531 in einer feierlichen Übergabe. Aus einem Teil der Gebäude wurde ein landesherrliches Schloss und Amtshaus gemacht.
Die Mönche verteilten sich vorwiegend als Schullehrer und Küster in der Umgebung, der Prior wurde mit Bardowicker Stiftsvermögen alimentiert und Abt Radbruch zog in seinen Geburtsort Lüneburg, wo er bald der erste evangelische Stadtsuperintendent wurde.
Die große Klosterkirche wurde der nun evangelisch gewordenen Gemeinde des Ortes zur Nutzung überlassen. Fehlende Bauunterhaltung, wohl vor allem bedingt durch die schwere Zeit des 30-jährigen Krieges brachte die ehemalige Klosterkirche in den nächsten anderthalb Jahrhunderten in einen Besorgnis erregend schlechten Zustand. Es bestand akute Einsturzgefahr, so dass im Jahre 1712 mit dem Abriss der Kirche begonnen wurde.
Dem Landesoberbaumeister Caspar Borchmann ist es zu verdanken, dass im letzten Moment zumindest der Chorraum gerettet worden ist. Hier waren die rissigen Deckengewölbe schon bis weit in die Fensterzone hinein abgerissen, als er vorschlug, diesen Chor mit einer flachen Decke zu versehen, ihn als Altarraum zu nutzen und einen einfachen Kirchenraum anzubauen. Der Neubau wurde zu Pfingsten 1724 geweiht und durfte seinen alten Namen "St. Marien" behalten.
Noch heute ist in aller Deutlichkeit zu sehen, wie der Abbruch damals abrupt zu seinem Ende gekommen ist: Die Proportionen der (obwohl zugemauerten, doch noch deutlich erkennbaren) ehemaligen gotischen Fenster im heutigen Altarraum wirken unstimmig und sie enden ohne einen abschließenden Bogen in der hölzernen Decke. Zwei breite Fenster sind durch Stabwerk in vier schmale Lanzetten unterteilt, zwei schmalere haben eine einfache Unterteilung. Ursprünglich muss der Chorraum sehr gut proportioniert gewesen sein. Noch heute ahnt man seine schöne lichtdurchflutete Höhe.
Aus der Wand hervortretende Rundungen weisen auf starke Rundpfeiler im Bereich zwischen ehemaligem Chor und Vierung hin. Auch von außen betrachtet deuten die sichtbaren Strebepfeiler und ein umlaufendes Gesims auf die ganz anderen Abmessungen der Vorgängerin. Auf der Grafik oben sind die Unterschiede gut zu erkennen.
Manches in unserer Kirche erzählt aus der Klosterzeit. Vor allem natürlich die Reste des Chorgestühls im Altarraum, die uns wunderbarer Hinweis auf 750-jährige gottesdienstliche Kontinuität an diesem Ort sind. An der Kunstfertigkeit der Schnitzereien und der Bildsprache der Figuren erfreuen wir uns noch heute. Es ist wie eine kleine Entdeckungsreise: Immer wieder fällt der Blick auf ein anderes Detail: Der kleine David mit seiner Schleuder vor dem Riesen Goliath oder darüber die drei Christus symbolisierenden Vögel: Der Pelikan, der sich mit dem Schnabel die Brust öffnet, um seine Jungen zu nähren; Der Phönix, der aus der Asche des Todes steigt; Der Vogel Strauß, der durch seinen Blick die Jungen am Leben erhalten haben soll. Dazu kommen Drachen, Ritter, groteske Figuren... ein richtiger Schatz, der hier bewahrt worden ist! Das Gestühl wird auf die Zeit um 1370 datiert.
Ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert stammt eine Sandsteinmadonna. Sie hat ein seltsam sanftes und anrührendes Gesicht, das den Betrachter schon zu mancher Meditation eingeladen hat. Leider ist sie nicht vollständig erhalten. Sie stand lange draußen und fand erst 1960 in der Kirche ihren Platz. Die Madonna steht in Höhe der Stufen zum Altarraum und ist uns Hinweis auf die Namensgeberin der Kirche.
Am 19. Januar 2003 hat die Gemeinde in Verbindung mit der Ortsgemeinde, der Samtgemeinde und dem Heimatverein anlässlich des Jubiläumstages die Kirche so ausleuchten lassen, dass die aus dem Kloster stammenden Anteile im heutigen Gebäude hervorgehoben wurden. Gut sichtbar sind gerade auf diesem Bild die alten Säulen im Altarraum mit ihrer groben Steinstruktur, die sonst nicht erkennbar ist. Im Altrraum ist links und rechts das Klostergestühl zu erkennen. Der vorne rechts ausgeleuchtete Kreis markiert die Madonna.
Darüberhinaus hat der Lichtkünstler Wolfgang Graemer aus Lüneburg mit Fackeln den Grundriss der Klosterkirche wieder entstehen lassen. Für fast 1000 Besucher an diesem Abend war es ein anrührendes Erlebnis zu erfahren, wie die eigene Historie begehbar und erfahrbar werden konnte.
Das Jubiläumsjahr hat mit dem großen Fest im September seinen Abschluss gefunden: Alle Vereine, Verbände und Institutionen des Dorfes haben sich zusammengeschlossen um gemeinsam ein historisches Markttreiben zu veranstalten.
Wenn Sie mehr über unsere Geschichte erfahren wollen, dann ist die zum Jubiläum erschienene Chronik das Richtige für Sie. "Scharnebeck gestern und heute" ist zu beziehen über die Sparkasse, die Ortsgemeinde oder den Heimatverein heimatkundeverein.scharnebeck[at]gmx.de.
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